Schlaf', Kindlein, schlaf'

Marghe / 14.04.2020 21:25 / Margherita Ragucci

Die folgende Kurzgeschichte schrieb ich im Jahr 2018 als Beitrag für den Ingolstädter Schülerschreibwettbewerb mit dem Thema "Von Monstern, Vampiren und Gespenstern - 200 Jahre Frankenstein".  Es wäre mir eine Freude, Sie für ein Leseerlebnis mit meinen Worten begleiten zu dürfen. Ich wünsche Ihnen schon einmal süße Träume! 

 

 

„Ich bin nicht tot,

ich tausche nur die Räume.

Ich leb’ in Euch und geh’

durch Eure Träume.“

Michelangelo

 

Ich bin müde. Ich bin so müde, dass ich nicht mal mehr dem schreienden Neugeborenen im Arm seiner Mutter zwei Sitze schräg gegenüber Beachtung schenke. Ich hebe den Blick. Auch die Frau scheint müde zu sein, dunkle Schatten weilen unter ihren Augen. Sie versucht, das Kind mit sanftem Wiegen zu beruhigen, tätschelt seinen Kopf und hebt entschuldigend die Schultern, als sie meinen wohl zu eindringlichen Blick bemerkt. Ich fühle mich ertappt und wende schnell meinen Blick ab, wieder hinaus durch die trüben Fensterscheiben auf die vorbeiziehenden Felder. Für Anfang März ist es immer noch erstaunlich kalt, die Temperaturen pendeln seit Tagen um den Nullpunkt und auch die Sonne ließ sich in den vergangenen Wochen kaum blicken. Eine dichte, graue Wolkendecke hat sich über den Himmel gelegt und lässt die Landschaft für meinen Geschmack viel zu trist wirken. Der Zug ruckelt kurz. Neben mir höre ich das Rascheln einer Zeitung, dann ein Räuspern: Der ältere Herr auf meinem Nachbarsitz, der nach Minzpastillen, Schuhcreme und Leder riecht, letzteres wohl wegen der Ledertasche, die zu seinen Füßen liegt, blättert die Tageszeitung um. Er ist gerade auf den letzten Seiten seiner Lektüre angekommen, als die elektronisch verzerrte Stimme aus den Lautsprechern schallt: „Sehr verehrte Fahrgäste, wir erreichen in Kürze Bargenzell Hauptbahnhof. Unser Zug endet hier. Wir bedanken uns herzlich, dass Sie sich für die Deutsche Bahn entschieden haben und wünschen Ihnen noch eine angenehme Weiterreise.“ „Für wen sollen wir uns denn sonst entscheiden?“, murmle ich in meinen dicken grauen Schal, frustriert über das Monopol dieses Unternehmens. Wir kommen allmählich zum Stehen. Der Mann neben mir erhebt sich, setzt seinen Hut auf, greift nach dem Henkel seiner Tasche und bewegt sich Richtung Ausgang. Auch die Mutter steht vorsichtig auf, um das endlich eingeschlafene Kind nicht zu wecken, wirft sich ihre Jacke über und folgt dem älteren Mann. Mir tut beim Aufstehen der Rücken vom vielen Sitzen weh. Mit einem heftigen Ruck ziehe ich meinen kleinen, aber doch viel zu schweren Koffer von der Gepäckablageschiene. Meine Arme verschwinden in den Ärmeln meines Wintermantels. Ich vergewissere mich noch einmal, nichts liegen gelassen zu haben und stelle mich zu den anderen wartenden Fahrgästen in den Gang. Mit einem Zischen öffnen sich nun die Türen, ich wuchte meinen Koffer auf den Asphalt und bin unendlich froh, als auch meine Füße den Bahnsteig berühren, und diese Reise endlich beendet ist. Ich habe kaum Zeit einen tiefen Atemzug der kalten Winterluft zu nehmen, als ich wenige Meter entfernt zwei mir bekannte Personen erblicke. „Mia, da bist du ja endlich! Mein Kind, wie habe ich dich vermisst!“ ruft meine Mutter laut, während sie mir winkend mit schnellen Schritten entgegenläuft. Mein Vater trottet ihr gemächlich, aber mit einem breiten Grinsen hinterher. „Oh Mama, ich freu…“ bevor ich den Satz ausgesprochen habe, werden meine Worte auch schon in einer lagen Umarmung erstickt. Ich vergrabe meinen Kopf in ihrer Schulter und nehme augenblicklich den mir so vertrauten Duft wahr. Irgendetwas zwischen Rosenduft, Schokolade und einem Spritzer Desinfektionsmittel. So riecht meine Ma und so riecht für mich schon mein ganzes Leben lang mein Zuhause. „Na Mia? Du wirst aber auch von Jahr zu Jahr immer größer.“ Brummt mein Vater, drückt mich kurz an sich, nachdem meine Mutter von mir abgelassen hat und nimmt mir wortlos wie selbstverständlich, meinen Koffer ab. „Du musst uns unbedingt von deinem Studium erzählen! Wie läuft es? Die erste Klausurenphase war ja ganz schön hart für dich… Und wie geht es deinen Freunden? Und wie läuft es mit dem Kellnern? Ist dein Chef immer noch so ein griesgrämiger Miesepeter?“, löchert mich meine Mutter mit Fragen. Ich fühle mich erschlagen. „Du Mama, kann ich euch das alles zu Hause erzählen? Ich bin ziemlich fertig, denn die sechs Stunden Zugfahrt waren wirklich anstrengend.“, bitte ich und setze ein müdes Lächeln auf. 

„Aber natürlich! Das ist überhaupt kein Problem. Ich habe schon alles für dich hergerichtet, und dein Lieblingsessen steht auch schon bereit. Wir müssen die Lasagne nur kurz in den Ofen schieben und dann bekommst du auch gleich etwas zwischen die Zähne. Du musst bestimmt irrsinnig hungrig sein.“ Die Worte meiner Ma überschlagen sich mehr und mehr. Sie freut sich so sehr, mich zu sehen. In den vergangenen Zeiten konnte ich leider nicht so oft nach Hause fahren, die erste Prüfungsphase hatte total an meinen Nerven gezehrt. Ich bereute es manchmal fast schon wieder, mich für das Medizinstudium entschieden zu haben, aber schon seit ich denken kann ist es mein Traum, im weißen Kittel im Operationssaal zu stehen und Menschen zu helfen. Mir war bewusst gewesen, dass man für diesen Wunsch etwas opfern musste. In meinem Fall Schlaf, einen Teil meines Soziallebens und meine innere Ruhe, aber nachdem ich die Prüfungen überstanden hatte, hat sich das alles auch wieder gelegt und ich kann stolz behaupten, dass das Medizinstudium die beste Entscheidung war, die ich in den letzten Jahren getroffen habe.  Und auf nichts freue ich mich gerade mehr, als auf ein, zwei Wochen im Hotel Mama, das beste Essen der Welt – mir lief schon bei dem Gedanken an die Lasagne das Wasser im Mund zusammen; die langersehnte Abwechslung zu meinen Tütensuppen – und natürlich die Zeit mit meinen Eltern. Ich hatte schon immer eine besonders gute Bindung zu ihnen, was wohl daran liegt, dass ich keine Geschwister habe und meine Eltern für mich stets die erste Anlaufstelle waren, wenn mich irgendetwas bedrückte.

Wir sind inzwischen auf dem Bahnhofsparkplatz angekommen. Die Sonne hat sich mittlerweile komplett verabschiedet und die Temperatur scheint noch einmal um mindestens 10°C gesunken zu sein. Mein Vater entriegelt seinen alten, roten Volvo, der inzwischen vollkommen verbeult ist, und wuchtet meinen Koffer in den Kofferraum, läuft daraufhin um das Auto herum, öffnet meiner Ma und mir die Autotüren zum Einsteigen - auch wenn er es nicht immer zeigt, er liebt uns beide sehr und würde wirklich alles für uns tun - und setzt sich anschließend selbst ans Steuer. Meine Eltern unterhalten sich leise und ich höre ihre Stimmen nur noch gedämpft, als wäre eine dicke Filzdecke darübergelegt worden. Meinen Kopf lehne ich an die eiskalte Fensterscheibe und meine Augen fallen kurz zu. Ich bin so furchtbar müde. „Gleich sind wir zuhause, gleich nach dem Essen kann ich mich ins Bett legen“, spreche ich mir selbst in Gedanken zu. Wir durchqueren unsere Kleinstadt, und der Begriff „Kleinstadt“ ist wirklich übertrieben. Im Grunde genommen ist Bargenzell eine Ansammlung an Wohnhäusern inmitten von satten, grünen Feldern, die sich über die Jahre kein Stück verändert haben. Von weitem erahne ich schon unsere Einfahrt, wenige Sekunden später sind wir auch dort angekommen. Wie gewohnt, ist der Vorgarten, dem grünen Daumen meiner Mutter sei Dank, topgepflegt und kleine Holzfiguren, auf die Zwerge und weitere Gestalten gepinselt wurden, stecken in der Erde oder stehen auf den Stufen vor der Haustür, um den nahenden Frühling willkommen zu heißen. Mein Vater und ich konnten dieser kitschigen Deko zwar nie etwas abgewinnen, aber meiner Ma gefällt es und wenn sie glücklich ist, sind wir es auch.

Wir parken das Auto unter dem Carport, meine Eltern wechseln noch kurz ein paar Worte, dabei kann ich nur die Begriffe „schnell“ und „Lasagne“ aufschnappen, und danach huscht meine Ma direkt aus dem Auto hin zur Tür. So schläfrig wie ich bin, brauche ich doppelt so lange wie sie, um das Fahrzeug zu verlassen. Mein Vater wartet dabei auf mich, den Koffergriff fest mit der linken Hand umschlossen. „Die Reise war lang, das sieht man dir an. Mach dir keine Sorgen, du bist jetzt zuhause und kannst du dich gleich auch endlich ausruhen.“, raunt er mir zu. Ich folge ihm zum Haus, säubere meine Schuhe an dem Fußabtreter und streife sie im Windfang ab. Ich werde sogleich von einer wohligen Wärme ummantelt, und ein mir bekannter Duft nach dem leckersten Gericht der Welt strömt mir in die Nase. So fühlt sich zuhause an. Ich will gerade die kleine Gästetoilette im Gang betreten, um mir die Hände zu waschen, als ich plötzlich einen spitzen Schrei aus der Küche höre. „Oh nein! Was mache ich denn jetzt nur?“, ruft meine Mutter. Kurz darauf vernehme ich die polternden Schritte meines Vaters, der sofort aus dem ersten Stock die Treppen wieder hinunterrennt, weil er nachsehen will, was meiner Ma passiert ist. Ich tue es ihm gleich, trockne meine nassen Hände kurz an meiner zerschlissenen Jeans ab und bin mit wenigen Schritten bei meinen Eltern. Mein Vater blickt in das völlig verzweifelte Gesicht seiner Ehefrau. „Warum ausgerechnet heute? Wo unser Schatz zu Besuch ist. Verdammt! Und dabei hatte ich doch alles so genau geplant… Was mach ich denn jetzt nur?“ Ihre Wangen sind glühend rot. „Aber Marianne, was ist denn überhaupt passiert?“ meint mein Vater. „Wir haben kein Salatöl mehr und ich habe die Erdnüsse für Mias Lieblingsdressing schon angeröstet. Ohne das Öl wird es aber nichts mit dem Salat.“ ertönt die Antwort. „Und deshalb machst du so ein Drama?“ Wortlos beobachte ich das ganze Szenario. Das ist wirklich süß, dass sich meine Mutter so viel Mühe gibt, aber wegen des Salats so einen Aufstand zu machen, finde ich übertrieben. „Mama, das ist halb so schlimm.“ Schalte ich mich besänftigend ein. Meine Mutter sieht vollkommen verzweifelt aus. 

Ich habe Kopfschmerzen, bin immer noch müde, aber wenn ich eines nicht will, dann, dass sich meine Mutter derartige Sorgen macht. Ich drehe mich stumm um, fingere gekonnt die Autoschlüssel vom Regal, die mein Vater dort bei unserer Ankunft deponiert und hat begebe mich wieder Richtung Eingang. „Mia, Schätzchen, wo willst du denn hin? Warte doch!“ ruft sie mir hinterher. „Ich fahre zur Tankstelle und hole euch das Öl. Der Haussegen kann doch wegen so einem Mist nicht schief hängen.“ meine ich. „Hermann, geh du doch. Du kannst doch nicht Mia nach so einer langen Reise auch noch zur Tankstelle fahren lassen“ höre ich noch meine Mutter, als ich kurz darauf mit einem festen Ruck die Tür zuziehe, und in unserem Vorgarten stehe. Stille.

 

Verdammt, ich hätte mir eine Jacke mitnehmen sollen. Es ist immer noch eisig kalt und ich trage nur meinen ausgeleierten Kapuzenpulli. Auch egal. Je schneller ich bei der Tankstelle bin, desto schneller bin ich auch wieder zuhause und desto schneller haben wir meine geliebte Lasagne gegessen, und desto schneller kann ich in mein heißersehntes Bett. Zuhause zu sein fühlt sich einfach gut an. Ich steige ins Auto und steuere die Tankstelle an der Ecke an, neben einem Friseur und ein paar Bäckereien, eines der wenigen Geschäfte in Bargenzell. Dort angelangt betrete ich das Tankstellenhäuschen und suche die Regale nach einer Flasche Öl ab. Ich muss sagen, ich wundere mich immer wieder, wem diese geniale Idee kam, den Sonntag in die Öffnungszeiten von Tankstellen zu integrieren und obendrauf dort nicht nur Kraftstoff für jegliche Art von Vierrädern anzubieten, sondern auch Zeitschriften, Lebensmittel und all den weiteren Kleinkram, den man manchmal ganz dringend braucht, aber natürlich wieder nicht zuhause hat. Neben einer Reihe Mehlpackungen finde ich eine leicht angestaubte, dunkelgrüne Glasflasche. Ein vergilbtes Etikett mit der Aufschrift „feinstes Italienisches Olivenöl“ ziert sie. Vertrauenserweckend ist das nicht gerade, und wirklich frisch ist es bestimmt auch nicht, aber ich habe keine Zeit und keine Lust, mir darüber Gedanken zu machen. Und allem voran darf ich unter keinen Umständen ohne dieses Öl wieder zu Hause auftauchen. Meine Ma macht aus einer Mücke gerne einen Elefanten, aber es gibt für mich nichts Schöneres, als sie glücklich zu sehen. Zudem möchte ich auch einfach nicht, dass sie sich Vorwürfe oder Ähnliches macht. Das Essen ist mir gar nicht so wichtig, meine Eltern mir allerdings schon. Und zugegebenermaßen, das Erdnussdressing nach dem Rezept meiner Großmutter ist auch einfach göttlich. Ich laufe zur Kasse, schiebe dem gelangweilt aussehenden Tankwart ein paar Euros über den Tresen und verlasse das Geschäft. Ich muss mich anstrengen, meine Augen nicht zufallen zu lassen. Im Auto drapiere ich die Glasflasche auf dem Beifahrersitz, in der Hoffnung, dass der Verschluss trotz seines vermuteten Alters noch dicht ist und nichts ausläuft. Das wäre gerade das letzte, was ich gebrauchen könnte. Fettflecken auf den Sitzen des geliebten Volvos. Ich möchte gar nicht daran denken. Wie in Trance fahre ich an und binnen weniger Minuten bin ich wieder zu Hause. „Für die kurze Strecke wäre das Auto gar nicht notwendig gewesen, ich hätte auch einfach laufen können“, denke ich mir. Vorsichtig fahre ich in unsere Einfahrt, darauf bedacht, bloß nicht den Zaun zu streifen und komme schließlich zum Stehen. Mit der Ölflasche in der einen Hand, Gott sei Dank ist sie noch fest verschlossen, und dem Schlüsselbund in der anderen, laufe ich zur Haustür, vorbei an unserem Küchenfenster, durch dessen Gardinen ein warmes Licht nach außen dringt und mir ein köstlicher Lasagnegeruch in die Nase steigt. Kurz stutze ich. Irgendetwas riecht verbrannt. Ich will gerade den Schlüssel ins Schloss stecken, als die Haustür nachgibt. Sie ist nicht fest verschlossen, obwohl ich mir sicher bin, sie vorhin komplett zugezogen zu haben. Ich betrete das Haus. Irgendetwas riecht anders. Es riecht nicht mehr so heimisch, wie ein Zuhause eben riecht. Ehrlich gesagt riecht es nach gar nichts mehr. Kein Duft der Geborgenheit, kein Duft der Liebe und der Zuneigung, einfach nur Essensgerüche und sonst nichts. Ich streife meine Schuhe ab, und stolpere auf Socken in die Küche. Das Licht brennt, der Ofen ist an. Ich spähe hinein, und kann förmlich hören, wie die Béchamelsoße bei der Hitze kleine Bläschen schlägt. Auf der Arbeitsfläche steht eine gläserne Schüssel, in der sich der schon gewaschene Salat befindet. Zuletzt sticht mir eine Pfanne ins Auge. „Wieso riecht es hier denn so furchtbar verbrannt“, frage ich mich, während ich mich schnell dem Herd nähere und mich über die Herdplatten beuge. In der dunkelblauen Emaillepfanne erblicke ich viele pechschwarze, kleine, deformierte Kugeln. Augenblicklich steigt mir ein beißender Gestank in die Nase. Schnell schiebe ich die Pfanne von der heißen Platte. Es sind die Erdnüsse, die meine Mutter für das Dressing anrösten wollte. Auf der Arbeitsfläche sehe ich eine aufgerissene Plastiktüte ungesalzener, geschälter Erdnüsse. Wo ist meine Mutter denn überhaupt? Sie lässt nie etwas anbrennen. Ein unangenehmes Gefühl macht sich in mir breit. „Mama, Papa, wo seid ihr?“, rufe ich laut in das Haus hinein, während ich die Ölflasche auf dem Küchentisch abstelle und den Ofen ausschalte. Ich kehre um in den Flur. „Haaallo? Wenn das ein Scherz sein soll ist, ist es ein ganz schlechter!“ Ich reibe mir meine Augen. Keine Antwort. „Mama, Papa?“, sage ich nochmal lauter, haste die Treppe nach oben und überspringe dabei jede zweite Stufe. Im ersten Stock öffne ich alle Türen: zum Arbeitszimmer, zum Gästezimmer, zum Bad, meinem ehemaligen Kinderzimmer. Alle leer. Auch hinter der Schlafzimmertüre meiner Eltern, die ich als letzte öffne, verbirgt sich nichts weiter, als gähnende Leere mit Ausnahme eines perfekt gemachten Bettes. „Verdammt, was soll das denn? Jetzt kommt doch endlich wieder raus“ schreie ich verzweifelt und versuche die Tränen zu unterdrücken, die in meine Augen steigen. Ich habe Hunger, bin müde und will endlich schlafen. Ich habe jetzt keine Nerven für so ein kindisches Versteckspiel. Ich laufe ins Bad, drehe den Wasserhahn des Waschbeckens auf, lasse mir eiskaltes Wasser in die Hände laufen und werfe es mir anschließend ins Gesicht. Ein Zucken durchfährt mich. Ich reiße das Handtuch vom Regal, das meine Ma wie in einem Hotel für mich zu einer Rose, meiner Lieblingsblume, gefaltet hatte und wische mir damit über das Gesicht. Ich stütze meine Hände auf den Rand des Wachsbeckens und sehe in den Spiegel in mein erschrockenes Gesicht. Dunkle Schatten hängen unter meinen Augen und ich sehe aus, als hätte ich gerade ein Gespenst gesehen. Ich rufe mich dazu auf, mich zu beruhigen; zähle innerlich langsam bis fünf, atme dazu gleichmäßig in langen Zügen ein und aus und ermahne mich erneut zur Ruhe. „Ruhe bewahren, es gibt eine Erklärung dafür.“ Ich greife nach meinem Handy, das immer griffbereit in meiner hinteren Hosentasche steckt. Nachdem ich meine Kontakte durchsucht habe rufe ich den meines Vaters auf und setze einen Anruf ab. Meine Ma hat ihr

Handy grundsätzlich stummgeschaltet, der Klingelton meines Vaters ist aber derartig laut, dass man ihn kaum überhören kann. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit ihn zu erreichen ist deutlich höher. Ich höre eine Melodie aus dem Erdgeschoss: Der Klingelton meines Vaters. Noch nie bin ich so schnell die Treppen hinunter gesprintet. Unten angekommen stehe ich vor der verschlossenen Wohnzimmertür. „Die war doch gerade auch noch angelehnt?“ Das Handy in meiner Hand vibriert, um mich darauf hinzuweisen, dass der Anruf nicht entgegengenommen wurde. Ich sperre den Bildschirm, die Melodie ist verstummt. Vorsichtige drücke ich die Klinke der Wohnzimmertür. Doch sie öffnet sich nicht. Aus den Ritzen des Türrahmens dringt Licht in den dunklen Flur und ich höre daraufhin ein anderes Geräusch: Ein Rascheln. Ein mir bekanntes Rascheln. So hört es sich immer an, wenn mein Vater auf dem Sofa sitzt und die Wochenzeitung durchblättert. Vor meinem inneren Auge macht sich ein Szenario breit: Mein Vater liest wohl gerade die Zeitung, und meine Mutter

wird wohl mit dem Kopf auf seiner Schulter neben ihm eingeschlafen sein. So wird es sein. Das Zeitungsrascheln wird immer lauter. Ich stemme mich mit voller Kraft gegen die Tür, die anscheinend wirklich mal wieder geölt werden muss, und falle stolpernd ins Wohnzimmer, als sie plötzlich nachgibt. Ich lasse einen erstickten Schrei los als ich erkenne, dass das Zimmer menschenleer ist. Einzig die Stehlampe flackert unruhig und auf dem Sofa neben dem gedeckten Esstisch, liegt eine völlig auseinandergenommene Zeitung. Der Lokalteil befindet sich zerknittert auf dem Boden, während der Kulturteil zwischen Lehne und Kissen klemmt. Und das Rascheln? Es hat aufgehört. Nichts bewegt sich in diesem Raum, alles ist still. Nur das blinkende Handy meines Vaters auf dem Sofatisch, macht auf sich aufmerksam. „Ein entgangener Anruf“ prangt in leuchtenden Lettern auf dem Display. Mir rinnen heiße Tränen über die Wange. Ich zücke erneut mein Handy, lasse mich aufs Sofa fallen und versuche, meine Mutter zu erreichen. „Kein Anschluss unter diese Nummer“, spricht eine elektronische Stimme aus den Lautsprechern. Daraufhin versuche ich meinen Vater auf seinem Diensthandy anzurufen. Für einen Moment hört es sich danach an, als hätte jemand abgenommen, doch auch hier ertönt wieder nur die gleiche Stimme, mit der gleichen Aussage. Mit schwitzigen Fingern wische ich über das Display. „Wo sollen sie denn sein? Ich habe doch das Auto benutzt, sie müssen doch hier sein“, denke ich mir. Ich suche den Kontakt meiner besten Freundin. Wenige Sekunden später halte ich mir das Telefon ans Ohr. „Mia, wie schön, dass du anrufst. Bist du gut angekommen, Süße?“, plaudert Sophie locker in den Hörer und mir fällt ein riesen Stein vom Herzen, als ich ihre Stimme höre. „Sophie, hilf mir“, schluchze ich. „Was ist denn los??“, fragt sie. Und legt daraufhin auf. Ich blicke verwundert auf mein Telefon, als es beginnt zu blinken und der Schriftzug „Eingehendes Videotelefonat – Sophie“ aufleuchtet. Dankbar nehme ich es an. Ihr Gesicht zu sehen tut jetzt bestimmt gut. Als ihr Lächeln auf dem Display erscheint, geht es mir zumindest für den Bruchteil einer Sekunde besser. „Meine Eltern sind verschwunden!“, bringe ich unter Tränen hervor, die nun auf Sophies Gesicht tropfen. „Was soll heißen, sie sind verschwunden? Mia, ist alles okay, bist du müde?“, antwortet Sophie, die, dem Hintergrund nach zu urteilen, gerade auf ihrem Bett liegt. „Mann, Sophie. Ich halluziniere doch nicht. Sie sind wirklich weg. Ich war nur kurz bei der Tankstelle und jetzt sind sie verschwunden. Sie sind tatsächlich nicht mehr hier. Ich habe schon das ganze Haus abgesucht! Was soll das denn? Ich bin doch im falschen Film. Da komme ich mal seit Ewigkeiten wieder nach Hause und sie machen sich wortlos aus dem Staub?“ meine ich. „Mia, ganz ruhig, hol dir erstmal ein Glas Wasser. Ich glaube du bist dehydriert. Wir finden schon eine Lösung, mach dir keine Sorgen.“ Wie ich Sophie schon alleine für diese mutmachenden Worte liebe. Sie ist die beste Freundin, die man sich wünschen kann. Leider lebt sie seit Studienbeginn in Berlin und unser letzten Treffen ist schon fast sechs Monate her, dennoch gehört sie, neben meinen Eltern, zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich bin ihr so dankbar, dass sie die Ruhe bewahrt. Sie ist einfach mein Fels in der Brandung. Ich stehe mit dem Handy in der Hand auf und bewege mich in die Küche. „Sophie, ich vermisse dich so sehr. Wir müssen uns unbedingt bald wiedersehen.“ „Aber natürlich machen wir das, bald sehen wir uns wieder, ich verspreche es dir. Aber jetzt trink erstmal einen Schluck und erzähle mir genau, was passiert ist.“ Ich schildere meiner besten Freundin die Lage. Ihre hochgezogene Augenbraue 

verdeutlicht ihre Zweifel an meiner Erzählung, doch das ignoriere ich gekonnt. Mittlerweile habe ich mir ein Glas mit Wasser gefüllt und das kühle Nass rinnt erfrischend meine Kehle hinunter. Ich merke, wie trocken mein Hals war und lecke mir gierig einen Wassertropfen von der Lippe. „Mia, sieh dich doch einfach nochmal kurz um. Vielleicht haben deine Eltern auf dem Küchentisch oder auf der Pinnwand im Wohnzimmereinen Zettel für dich hinterlassen, wo die Erklärung für ihr Verschwinden steht. Wahrscheinlich sind sie nur bei Frau Biedermeier. Du weißt doch, dass sie öfter mal die Hilfe deiner Eltern braucht, seitdem sie nicht mehr sicher auf den Beinen ist.“, ertönt es aus dem Handy. Inzwischen habe ich mich zumindest ein bisschen beruhigt. Die Hysterie ist verflogen, ganz geheuer ist mir das Ganze aber dennoch nicht. „Du meinst wirklich, sie könnten bei Frau Biedermeier sein?“, frage ich skeptisch. „Klar, warum nicht? Vielleicht ist sie gestürzt und hat deine Eltern angerufen oder so und diese haben dann schlagartig das Haus verlassen, um ihr zu helfen. Das würde auch die offene Haustür erklären.“ Meine beste Freundin grinst mich an. Sie könnte möglicherweise Recht haben. Unsere Nachbarin ist schon im hohen Alter, verwitwet und seit einer misslungenen Knieoperation auf Krücken angewiesen. Sie war für mich schon als Kind wie eine Ersatzgroßmutter und ist quasi Teil der Familie. Sophies Theorie klingt also irgendwie plausibel. Aber Moment einmal. Die offene Haustür? Die habe ich doch gar nicht erwähnt? Ich will sie gerade darauf ansprechen, als das Bild auf meinem Display beginnt, sich in ein schwarz-weißes Flackern aufzulösen. „Ich hab’ dich so lieb Mia, du schaffst das. Halt mich auf dem…“, höre ich noch die abgehackte Stimme, bevor die Telefonverbindung unter Flimmern und Flackern endgültig abbricht. 

 

Seltsam. Ich habe doch besten Internetempfang? Ich versuche, das Anrufsymbol erneut zu tippen, doch der Bildschirm ist eingefroren, mein gesamtes Handy hängt. Verdammt. Auch das noch. 

 

Das leere Glas in meiner rechten Hand stelle ich auf der Küchenablage ab und werfe einen Blick auf den Küchentisch. Dort ist bis auf einen Stapel alter Zeitungen nichts zu sehen, kein Zettel, nichts. Ich gehe noch einmal ins Wohnzimmer. Bevor ich mit beiden Füßen den Türrahmen überwunden habe, erstarre ich. Die aufgeschlagene Zeitung, die vorhin noch auf dem Sofa lag, ist verschwunden. Sie ist weg! Ungläubig reibe ich mir die Augen, in der Hoffnung, dass meine Müdigkeit mich trügt und alles so ist, wie vorher. Doch das Sofa bleibt, bis auf eine bestickte Tagesdecke, leer. Mir läuft ein Schauer den Rücken hinunter. Das kann doch gar nicht wahr sein. Es muss sich um Einbildung handeln, es muss! Ich stehe nun direkt vor dem Sofa, taste es ab, vergewissere mich, dass dort wirklich nichts liegt, ich nichts übersehen habe. Ich hebe den Blick auf die Pinnwand, die über dem Sofa hängt. Einkaufszettel und Werbeprospekte wurden eilig auf die braune Korkmatte gepinnt. Dazwischen ein paar Familienfotos. Als ich meine Eltern darauf erkenne, muss ich schlucken. Kein Zettel mit einem Hinweis auf ihr Verbleiben. Doch in der oberen rechten Ecke finde ich ein neues Bild, das bei meinem letzten Besuch noch nicht hier hing. Ein visitenkartengroßes Portrait von mir. Das Bild das auf meinem Studentenausweis abgebildet ist. Meine Ma muss es dort hingehangen haben. Wie süß. Ich sehe genauer hin. Etwas stimmt mit dem Bild nicht. Deshalb war es mir so ins Auge gestochen. 

Quer über eine Ecke der Fotografie ist ein schmales, schwarzes Seidenband befestigt. 

 

Aber das steht doch für…? Ich denke den Gedanken gar nicht zu Ende, mir verliert das hier alles zu sehr an Realität. „Ich gehe jetzt zu Frau Biedermeier. Ich. Gehe. Jetzt. Zu. Frau. Biedermeier.“, sage ich nochmal langsam, jedes Wort bedächtig betonend. Ich atme tief ein und aus, fasse mir mit den Fingern an die Schläfen und massiere sie kurz in kreisförmigen Bewegungen. „Ich bin nicht bescheuert. Die Zeitung war vorhin sicher auch nicht da. Das habe ich mir eingebildet. Ich bin einfach nur müde und ich verliere hier sicherlich nicht den Verstand. Es gibt für alles eine Erklärung. Eine ganz einfache, logische Erklärung.“ 

 

Ich zittere. Meine Füße sind taub, mein Kopf ist schwer, meine Augen müde. Mein Gehirn brummt, scheint vor Gedanken zu platzen. Ich greife nach meiner Jacke, die im Gang auf einem Kleiderbügel hängt und werfe sie mir über. Ungeschickt ziehe ich mir meine Schuhe an, die Schnürsenkel gleiten mir gleich zweimal aus den Händen. Ich nehme mir den Ersatzhaustürschlüssel vom Schlüsselbrett und verlasse wie in Trance das Haus. Dann trete ich hinaus in die dunkle Nacht. Ich habe keine Ahnung wie viel Uhr es ist. Ein Blick auf meine Smartwatch verrät es mir: „03.03.2018 21.28 Uhr“, lese ich Datum und Uhrzeit ab. Es sind schon fast vier Stunden seit meiner Ankunft vergangen, zehn Stunden, seitdem ich mich in den Zug gesetzt habe, fünfzehn, seitdem ich aufgestanden bin. 

Wie benommen laufe ich an unserer Hecke vorbei, durch das Gartentor hindurch, am Zaun entlang zur Haustür der Nachbarin. Ich sehe Licht hinter ihrem Küchenfenster brennen und bin erleichtert. Immerhin scheint sie zuhause zu sein. Mit meinem Finger taste ich nach dem eisernen Klingelknopf, und drücke ihn tief. Ein Läuten ertönt. Ich warte und es passiert nichts. Ich warte immer noch, möchte nicht nochmal klingeln, aus Angst unhöflich zu wirken. Schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit erkenne ich einen Schatten hinter der mit Glas versetzten Haustür. Daraufhin öffnet sie sich einen Spalt weit. Ein zusammengekniffenes Augenpaar blickt hindurch. „Wer ist da?“, krächzt eine Stimme. „Ich bin’s, Frau Biedermeier. Mia.“ Antworte ich mit Unsicherheit in der Stimme. Die Tür schwingt auf. Mein Blick schärft sich, ich erkenne die Silhouette der buckligen Rentnerin mit Krücken unter den Armen. „Oh Mia, welch Überraschung. Komm doch herein, Kindchen. Du kannst doch nicht so in der Kälte stehen.“ Ich trete näher, steige die Stufen zur Haustür hinauf, und stehe vor ihr. Frau Biedermeier lässt kurz von ihrer Krücke ab, legt ihre kühle, verschrumpelte Hand auf meine Schulter und schiebt mich sachte in das Haus. Ich drücke die Tür zu und mache die Anstalt mir die Schuhe ausziehen zu wollen, woraufhin sie lächelnd abwinkt. „Lass sie nur an, das ist kein Problem. Wie geht es dir Mia? Und deinen Eltern?“ Ich stocke. Sie klingt, als hätte sie meine Eltern längere Zeit nicht mehr gesehen. Ich will gerade antworten als sie schon weiterspricht. „Nein, wie unhöflich von mir! Ich habe dir ja noch gar nichts zu trinken angeboten. Wo sind denn meine Manieren geblieben? Geh doch schon mal ins Wohnzimmer und setze dich, ich hole uns schnell etwas zu trinken.“ Sagt sie. Ehe ich etwas erwidern kann, hinkt sie mit langsamen Schritten in die Küche. Vorsichtig begebe ich mich in das Wohnzimmer, das ich nur zu gut aus meiner Kindheit kenne. Wie oft meine Nachbarin doch auf mich aufgepasst hat als ich noch ein Kind war und wie viele Stunden wir spielend in ihrem Wohnzimmer verbracht haben. „Machen Sie sich keine Umstände“ rufe ich in die Küche, erhalte aber keine Antwort. Ich setze mich auf das große, weiche Sofa, das mir schon als kleines Mädchen als Hüpfburg diente. Die Polster sind so groß, dass ich in ihnen versinke. Immer wieder werfe ich einen Blick zur Tür, denn ich höre plötzlich kein klirrendes Geschirr mehr. Das Wasserrauschen des Wasserhahns ist auch verstummt. Ich höre nichts mehr. Ich will gerade aufstehen und nachsehen, ob nicht etwas passiert sein könnte, nicht, dass die arme Frau noch einen Schlaganfall erleidet und ich es nicht mitbekomme, als mir zwei säuberlich ausgeschnittene Zeitungsartikel auf dem Couchtisch ins Auge stechen.

Studentin aus Leipzig tödlich verunglückt

Lese ich die Überschrift. Daneben ein Bild eines lachenden Mädchens, das ich heute schon einmal gesehen habe. Ich erschrecke. Ein Bild eines lachenden Mädchens, das ich nur zu gut kenne. 

 

„Am vergangenen Dienstag, den 3.3.2018 ereignete sich an der Bahnhofsbrücke in Leipzig ein tragisches Unglück. Die 19-jährige Medizinstudentin der Universitätsklinik Leipzig Mia T. aus einem kleinen Dorf nahe München stürzte nach einem Trinkgelage der Studenten zur Feier der überstandenen Klausurenphase gegen 21.00 Uhr in Folgen starken Alkoholeinflusses über das Gelände der Bahnhofsbrücke. Tragischerweise wurde sie dabei von einem vorbeifahrenden Güterzug erfasst und überlebte das Unglück nicht. Zeugen beobachteten den Tathergang und befinden sich nun in psychologischer Betreuung. Freunde und Familie sind schockiert über diesen grausamen Unfall.“

Daneben ein weiterer Artikel, herausgetrennt aus einer Fachzeitschrift. 

 

Denken wir während des Sterbens?

Die AWARE-Studie (kurz für „Awareness during resuscitation“ zu Deutsch „Bewusstsein während der Wiederbelebung“) behandelt die Thematik der Wahrnehmung während des Sterbeprozesses. So konnten im Rahmen dieser Studie innerhalb von vier Jahren 140 der 330 erfolgreich reanimierten Patienten von insgesamt 2600 Herzstillstandpatienten nach deren Reanimation zu ihrer Wahrnehmung während des Sterbeprozesses befragt werden. 55 der Patienten gaben an, sich an konkrete Gedanken während ihrer Nahtoderfahrung erinnern zu können. Auch die untersuchte Hirnaktivität bei sterbenden Gehirnen überraschte mit viel höheren neuronalen Werten als zuvor angenommen. 

Bewiesen ist also: Das Hirn denkt weiter, auch nach dem Tod. Erst einige Minuten später erlischen die Gedanken endgültig. Nun gilt es zu entdecken, worum sich die Fantasien der meisten Sterbenden drehen. Forscher vermuten aktuell es handle sich hierbei überwiegend um Rückblenden beziehungsweise Lebensverläufe im Zeitraffer. Auch aufgekommen ist die Vermutung, die Sterbenden würden in ihrem Unterbewusstsein kurz nach dem Tod Familie und Freunde in Gedanken aufsuchen, um ein letztes Mal die ihnen vertrauten Gesichter zu sehen und Abschied zu nehmen. Diese Theorie soll vor allem bei jenen Todesfällen auftreten, bei welchen der Betroffene zuvor räumlich von eben diesen Personen entfernt war, beispielsweise durch verschiedene Wohnorte oder Reiseaufenthalte.

 

Nicht sie sind verschwunden. Sondern ich verschwinde. Ich gähne. Ich bin so müde. Meine Beine geben nach, ich falle auf das Sofa zurück, doch ich lande nicht. Ich falle immer weiter und weiter. Ich bin so unglaublich müde. Mir wird schwarz vor Augen.

 

 

 

 

Inhaltliche Quelle zu dem „Artikel aus der Fachzeitschrift“:

http://www.weltderwunder.de/artikel/die-wissenschaft-der-letzten-minuten-was-wirklich-passiert-wenn-wir-sterben  (Aufgerufen am 12.3.2018) 

 

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